Die Gestalttherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Körper und Seele gleichermaßen beachtet und soziale ebenso wie kulturelle Lebenszusammenhänge mit einbezieht. Die Gestalttherapie ist ein Verfahren zur Ganzwerdung des Menschen. Die Gestalttherapie geht von der Grundannahme aus, dass der Mensch das Potential und die Motivation zu geistig-seelischem Wohlbefinden, zu lebenslangem Wachstum und zu kreativen Lösungen in sich trägt. Die Gestalttherapie ist daher nicht nur ein psychotherapeutisches Verfahren sondern als Methode auch in der Beratung, der Sozialarbeit, der Supervision, der Organisationsentwicklung und vielen anderen Berufsfeldern finden. Der Berliner Arzt und Psychoanalytiker Fritz Perls ist der Gründungsvater der Gestalttherapie. Er entwickelte gemeinsam mit seiner Frau Lore Perls und Paul Goodman seine Methode in Abgrenzung zur Psychoanalyse. 1951 veröffentlichten Perls, Hefferline und Goodman das theoretische Grundlagenwerk zur Gestalttherapie – in Abgrenzung zur Psychoanalyse.
Unerledigte Geschäfte Der Begriff „Gestalt“ kommt aus der Gestaltpsychologie und hat dort die Bedeutung einer Ganzheit. Menschen nehmen nicht Einzelerlebnisse isoliert als Bruchstücke auf, sondern Erfahrungen, Gefühle und Handlungen werden zu einem sinnvollen Ganzen organisiert. Wir nehmen die Wirklichkeit durch unsere Sinnesorgane gefiltert wahr, so dass unvermeidlich die Reichweite und Qualität der Eindrücke beeinflusst wird. Was "wirklich" ist, bleibt Spekulation.
Das Ganze ist mehr und etwas anderes als die Summe seiner Teile.
Offene Gestalten sind unerledigte Geschäfte, Aufgaben oder Probleme, die in der Vergangenheit nicht abschließend gelöst werden konnten. Diese unerledigten Situationen im Hintergrund, also unsere nicht geschlossenen Gestalten, stören den Kontakt zur Gegenwart im Vordergrund. Die Gestalttherapie sieht ihre Aufgabe darin, diese offenen Gestalten aufzuspüren und den Organismus wieder mit sich in Kontakt zu bringen, die Gestalt wieder zu schließen.
„The difference [...] is essentially that we do not analyze. We integrate.“ F. Perls
Kreative Lösungen entwickeln Die Gestalttherapie geht von der Annahme aus, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, selbst kreative Lösungen zu entwickeln und sich im Dialog mit dem Gestalttherapeuten wieder neue Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Es geht in der Gestalttherapie nicht darum die Ursprünge der Schwierigkeiten oder der Störungen zu finden und zu erklären, sondern besonders darum, neue Lösungswege zu erproben. Nicht die Beschäftigung mit dem WARUM, die uns oft in quälende Gedanken und Gefühle führt und hält, sondern das bewusste Spüren des WIE bringt Veränderungen mit sich. Die Erweiterung unseres Bewusstseins ist eines der Hauptanliegen der Gestalttherapie. Die Awareness lässt mich meiner Wünsche und Bedürfnisse im Hier und Jetzt bewusst zu werden, lässt mich wahrnehmen, was ich bisher wollte, ob dies noch Gültigkeit hat, verändert werden soll oder durch etwas anderes ersetzt werden kann. Wir können zwischen Wahrnehmungsgegenständen willkürlich wechseln. Dies bedeutet, dass wir nicht nur passiv wahrnehmen sondern aktiv an der Auswahl dessen, was wir wahrnehmen, beteiligt sind. Wir tragen die Verantwortung für das, was wir tun! Im vollen Kontakt können Gestalttherapeut und Klient den Blickwinkel für die Möglichkeiten wieder weiten und der Klient kann wieder die volle Verantwortung für sich übernehmen. Wichtig ist, was im Hier und Jetzt geschieht – und zwar im Tempo der KlientInnen. „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Klienten in der Gestalttherapie ihre Entdeckungen selbst in ihrem eigenen Tempo leisten. Der Gestalttherapeut leistet nur Hilfestellung, weder gibt er Erleben vor, noch suggeriert er.“ F. Staemmler 1999
Beispiele für die Methodik der Gestalttherapie GestalttherapeutInnen sind nicht wissende BeobachterInnen, sondern ProtagonistInnen der therapeutischen Szene und haben die Bereitschaft, sich emotional einzulassen, Nähe auszuhalten. Empathie, Spontaneität und Kreativität werden im Kontakt mit den KlientInnen gelebt. GestalttherapeutInnen machen über ihre KlientInnen keine Vorannahmen, weder richten noch urteilen sie über andere und lehnen ein Schubladendenken ab. Die Therapeut-Klient-Beziehung wird als authentischer, momentaner Kontakt betrachtet, und erst danach nach dem Übertragungs-Gegenübertragungs-Konzept. GestalttherapeutInnen achten auf die Abwehr und den Widerstand ihres Gegenüber und beginnen mit dem zu arbeiten, was Augenblick auftaucht: Egal was es ist, ob ein Gefühl, eine Sorge, das Erinnern an Altes oder bedrängende Zukunftsfragen, die Wahrnehmung des Klienten steht im Vordergrund. Absicht von GestalttherapeutInnen ist es nicht, das Klientenverhalten zu verändern oder zu verbessern, sondern dem Klienten „Wachstum“ zu ermöglichen. Die Gestalttherapie bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Experimente einzusetzen. Ein Experiment kann beispielsweise sein, sich im therapeutischen Setting künstlich einer befürchteten oder ersehnten Situationen auszusetzen, um sie so bereits zu erfahren und bewusst zu erproben. Beispiele für Methoden der Gestaltarbeit sind: Identifikation Experimentell kann sich der Klient z.B. über die Identifikation mit einem Gegenstand oder gar dem eigenen Körperteil anders erfahren, sich aus einer anderen Perspektive wahrnehmen. Der leere Stuhl bietet die Möglichkeit, mit imaginären Personen zu arbeiten, die nicht anwesend sein können, eventuell bereits verstorben sind oder nicht anwesend sein wollen, weil sie sich der Auseinandersetzung vielleicht nicht stellen möchten. Die gestalttherapeutische Traumarbeit beruht auf der Annahme, dass jedes Traumelement Bruchstücke unserer Persönlichkeit darstellt. Daher können auch in der Traumarbeit die klassischen Gestalttechniken eingesetzt werden. Weitere Methoden der Gestalttherapie sind z.B.: Awarenessübungen, Rollentausch, Experimentieren mit Verhaltensweisen, Einsatz kreativer Medien, Märchenarbeit, Metaphern sprechen lassen, Körperarbeit, Verstärkung, Arbeit mit den Polaritäten, Panoramaarbeit
Der Gestalttherapeut wählt die Experimente vor dem Hintergrund Ihrer Theorie aus und bietet sie dem Klienten an. Dieser kann sich entweder auf das Experiment einlassen, es für sich passend machen oder auch ganz ablehnen. „Das, was wir in der Therapie zu tun versuchen, ist, die enteigneten Teile der Persönlichkeit Schritt für Schritt wiedereinzuverleiben, bis die Person genügend stark ist, das eigene Wachsen selbst in die Hand zu nehmen.“ F. Perls
Literaturhinweise zur Gestalttherapie in Auswahl Hartmann-Kottek, Lotte (2004): Gestalttherapie, Heidelberg, Springer. Oaklander, V. (1981): Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen. Stuttgart, Klett-Cotta. Perls, F./ Hefferline, S./ Goodman, P. (1997): Gestalttherapie- Grundlagen. Stuttgart, Klett-Cotta. Perls, F./ Hefferline, S./ Goodman, P. (1995): Gestalttherapie- Praxis. Stuttgart, Klett-Cotta. Rahm, D. (1990): Gestaltberatung. Grundlagen und Praxis integrativer Beratungsarbeit. Paderborn, Junfermann. Stevens, J. (2000): Die Kunst der Wahrnehmung. Übungen zur Gestalttherapie. Gütersloher Verlagshaus.
Einige Links zur Gestalttherapie
www.dvg-gestalt.de
www.gestalt.de
www.eag-fpi.com
© Dörthe Huth Praxis für Supervision, Gestalttherapie und Paarberatung Von-Oven-Straße 7 45879 Gelsenkirchen Tel.: 0209/1655686 www.dialograum.de
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