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Neurose |
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Unter Neurosen wird seit William Cullen (1776) a) eine nervlich bedingte rein funktionelle Erkrankung verstanden, d. h. ohne Nachweis einer organischen Läsion. So kann man z. B. von Herzneurose sprechen.
Seit Sigmund Freud wird hierunter b) eine leichtgradige psychische Störung verstanden, die durch einen Konflikt verursacht ist. Neurosen werden den Psychosen als schwerere seelische Störungen gegenübergestellt.
aus wikipedia.org/wiki/Neurose +wiktionary.org/wiki/Neurose
Die neurotische Symptombildung ist in der Psychoanalyse der Ausdruck eines unbewußten Konflikts. Durch die Analyse (Psychoanalyse) wird dieser Konflikt bewusst gemacht und dadurch Heilung ermöglicht. Neurosen werden nach der psychoanalytischen Theorie u. a. ausgelöst durch Störungen in bestimmten kindlichen Entwicklungsphase. Eine Persönlichkeitsstörung (Charakterneurose), welche zumeist Ich-synton ist, wird durch eine frühe Störung in der Entwicklung ausgelöst. Speziell in der klassischen Psychoanalyse und der Psychiatrie der Freudschen Schule und deren Nachfolgern wird angenommen, dass eine Neurose durch einen inneren, unbewussten Konflikt verursacht wird. Freud entwickelte zur Veranschaulichung der Krankheitsdynamik ein psychologisches Konfliktmodell (siehe auch: Drei-Instanzen-Modell). Freud sprach von einem psychischen Apparat, der aus drei Instanzen, dem Ich, dem Es und dem Über-Ich besteht. Bei dem unbewußten Konflikt komme es zu fehlender Anpassung des Ichs als Mittler zwischen Innenwelt und äußerer Realität. Diese mangelnde Adaptation des Ichs an alltägliche äußere Belastungen wird auf mangelhaft kontrollierbare, weil unbewusste Einflüsse des Es oder des Über-Ichs zurückgeführt. Das Es vertritt dabei den triebhaften Pol der Psyche, das Über-Ich die Rolle eines Zensors oder Richters. Die mangelnde Anpassung ist im späteren Leben häufig stellvertretende Folge eines unbewältigten frühkindlichen Traumas. Durch dieses akute Trauma oder durch leichtere sich wiederholende chronische Traumatisierungen kommt es nach der psychoanalytischen Theorie zu einer vermehrten Abwehrbereitschaft gegen diese schmerzlichen Erinnerungen. Freud gebrauchte den Begriff Neurose ab 1895 in noch heute gültigem Sinne. Er wird allerdings in den aktuellen diagnostischen Inventaren weitgehend vermieden (so z. B. in der ICD-10 und dem DSM IV). Stattdessen wird von psychischen Störungen in rein deskriptivem Sinne (Querschnitt = Ist-Zustand) gesprochen. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass der Begriff z. B. in psychogenetischer Hinsicht (Längsschnitt = Gesichtspunkt der Entwicklung) als entbehrlich anzusehen ist, siehe auch Kap. 2 (Hoffmann/Hochapfel 2003). Vorgenannte Autoren definieren Neurosen als überwiegend umweltbedingte Erkrankungen, die eine Störung im psychischen und / oder körperlichen und / oder im Bereich der Persönlichkeit bedingen. Nach verhaltenstheoretischem Konzept ist Neurose durch erlernte Fehlanpassung hervorgerufen. Die auslösenden traumatisierenden Faktoren sind als Stressoren anzusehen.
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Theorie |
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Die Neurose ist eine allgemeine psychische Verhaltensstörung von längerer Dauer. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sie erst im Laufe der Entwicklung entstanden ist. Zur Bestätigung solcher Diagnosen müssen organische Störungen als Ursache des Fehlverhaltens ausgeschlossen werden. Seine ihm charakteristischen Verhaltensstörungen vermag der Neurotiker nicht zu kontrollieren, er ist sich seines Leidens jedoch bewusst und an sich fähig, dessen Ursachen zu ergründen. Gemäß Freuds Theorie führt dieses geistige Streben zu ersten therapeutischen Ergebnissen, vor allem in Anwendung der Traumanalyse. Der Psychotiker ist dazu tendenziell außerstande, da bei ihm auch der Realitätsbezug nicht mehr vorhanden ist. Die Übergänge zur Neurose sind jedoch fließend. So stellen zum Beispiel auch die Träume der Gesunden („normalen“ Neurotiker) nach Freud im weitesten Sinne „psychotische“ Vorgänge dar, infolge des im Schlaf momentan geschwächten Ich-Vermögens, die im Traum erlebte Realität von der den Träumer umgebenden Wirklichkeit zu unterscheiden. Viele Zwangsstörungen (z. B. „Waschzwang“) oder die Phobien (z. B. Soziophobie) werden von Befürwortern des Begriffs zu den Neurosen gezählt. Als differentialdiagnostisches Kriterium zur Abgrenzung von der Psychose gilt unter anderem auch, dass die Neurotiker ihre Zwänge als in ihnen selbst liegend zu erkennen vermögen, während die von einer Psychose Betroffenen im akuten Fall an dem Unvermögen leiden, ihre innere Situation (‚Stimmen hören‘ u. Ä.) von der umgebenden Realität zu differenzieren. Es gibt verschiedene Grade dieser Zwänge, so dass nicht alle Patienten einer Behandlung bedürfen. Als subjektiv erleichternd wirkt sich die weite Verbreitung eines bestimmten Typs von Neurose in der jeweils betroffenen Kultur aus, der dadurch zur sozialen Norm wird. Dadurch wird das Gefühl sozialer Ausgrenzung beziehungsweise Minderwertigkeit (s. o.) abgeschwächt. Die Gleichsetzung solcher „Normalität“ mit der Bedeutung des Begriffes „Gesundheit“ wurde von Freud mit höchster Skepsis betrachtet.
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Zitate |
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* "Jede Zeit hat ihre Neurose - und jede Zeit braucht ihre Psychotherapie." - Viktor Frankl, Das Leiden am sinnlosen Leben, 1977, S. 11 * "Neurosen entstehen, wenn man die Wahrheit über sich selbst ahnt." - Gerhard Uhlenbruck, Weit Verbreitetes kurzgefasst, 17. März 2003 * "Neurosen wachsen // auf Ängsten und mit Leiden // einsamer Menschen." - Erhard H. Bellermann, Senryus, Schmetterlinge im Kopf, S. 75 * "Wenn es neurotisch ist, zwei einander ausschließende Dinge gleichzeitig zu mögen, dann zur Hölle bin ich neurotisch." - Sylvia Plath, Die Glasglocke, Kap. 8 * "Wie die autoritäre, restriktive, leibfeindliche Erziehung der Gründerjahre unerhört schmerzliche, jedoch klar strukturierte Neurosen und Psychosen erzeugt hatte, erzeugt die pluralistische Gesellschaft pluralistische Neurosen, die sich weniger durch ihre Schmerzhaftigkeit als durch ihren Gefühlsmangel auszeichnen." - Ernst Wilhelm Julius Bornemann, Die Zukunft der Liebe, Fischer TB, 1997, S.52
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