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Enneagramm

Das Enneagramm

Das Enneagramm (griechisch: ennea = neun; gramma = Buchstabe, Punkt) bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das als grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll. Geometrisch ist das Enneagramm ein Neunstern. Dieser Artikel beschreibt hauptsächlich die Anwendung des Enneagramms als Persönlichkeits-Enneagramm.


Geschichte

Die Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt, es werden viele Quellen vermutet, Spekulationen reichen von griechischen, jüdischen, christlichen und islamischen bis hin zu altbabylonischen und altägyptischen Quellen. Im okzidentalen Kulturraum wurde es 1916 von Georges I. Gurdjieff vorgestellt.

Bei der Anwendung des Enneagramms entwickelten sich mehrere Richtungen:
* Lehre Gurdjieffs (Vierter Weg, als ganzheitlich transformatorischer Prozess des Menschen, Ablehnung des Gebrauchs als Persönlichkeits-Ennegramm, dies wird als Missbrauch angesehen)
* Lehre Ichazos (Arica-Institut, Arica-Training, bezeichnet das Enneagramm als „Enneagon“)
* Christlicher Kontext (Richard Rohr/Andreas Ebert, Bob Ochs). Jesus als Sohn Gottes werden die Stärken aller neun Enneagramm-Typen zugeschrieben.
* Psychologisch/Spiritueller Kontext (Naranjo, Palmer, Riso) mit Bezug zu den Typenlehren von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung und dem Typensystem von Myers-Briggs


Auf subjektiver Erfahrungsebene kann das Enneagram

......... kann das Enneagramm in seiner Form als Persönlichkeits-Enneagramm durchaus als richtig wahrgenommen werden. Dies kann nach Meinung von Kritikern auch auf dem Barnum-Effekt beruhen.
Wie andere Typologisierungsmodelle (z.B. das komplexere MBTI) beruht das Persönlichkeitsenneagramm letztlich auf einem willkürlichen und starren Satz von Persönlichkeitsmerkmalen.
Die Frage, ob die Theorien des Enneagramms von den Modellen der Psychoanalyse gedeckt werden, ist allerdings differenziert zu bewerten. Es gibt jedenfalls eine Reihe vielfach anerkannter Darstellungen, die unabhängig von der Kenntnis des Enneagramms nicht in Widerspruch zu den Theorien des Enneagramms stehen. Hier sind zu nennen: Karen Horney (Psychoanalytikerin), die zwischen Abkehr-, Hinwendungs- und Feindseligen Typen unterscheidet und damit keineswegs in Widerspruch zu der Theorie der drei Zentren des Enneagramms steht, nämlich den Kopf-, Herz- und Bauchtypen. Auch das Dreiinstanzenmodell Freuds Über-Ich, Ich und Es kann recht einfach in der genannten Reihenfolge in Beziehung zu diesen drei Zentren gesetzt werden. Auch die Vier-Elemente-Lehre und die darauf aufbauende Humoralpathologie stehen nicht in Widerspruch zum Enneagramm, siehe dazu vor allem die Darstellung der Vier-Säfte-Lehre.
Das bedeutet auch nicht, dass das Enneagramm einen Anspruch auf dogmatische Gültigkeit erhebt. Modelle haben nun einmal heuristischen Charakter. Das unterscheidet sie von konkreten Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen. Daher dürfen sie auch nicht als solche empirisch-wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse missverstanden werden. Selbst wenn das Enneagramm nur auf einer oberflächlichen laienpsychologischen Ebene hilfreich sein könnte, so sollte man dem nicht eine wissenschaftlich abqualifizierende Beurteilung gegenüberstellen, da wissenschaftliche Erkenntnisse generell immer nur Aspekte, nie das Ganze eines Phänomens abdecken können, vgl. das Phänomen Seele. Hier ist das Argument Poppers von der methodisch notwendigen Falsifizierbarkeit der Wissenschaften auch einmal zugunsten der Geisteswissenschften auslegbar und spricht nicht notwendig für die allgemeine Geltung der positiven Wissenschaften.
Bei dem wissenschaftlich akzeptierten Fünf-Faktoren-Modell wurden die Persönlichkeitsdimensionen nicht intuitiv festgelegt, sondern durch statistische Methoden wie die Faktorenanalyse eruiert. Allerdings erfordert die Analyse von Faktoren ebenfalls theoretische begriffliche Konzepte, die ihrerseits nicht wissenschaftlich nachprüfbar und ebenfalls nicht falsifizierbar sind. Die Orientierung des Enneagramms am Körperschema wird auch von anderen Lehren praktiziert und ist insofern vergleichbar mit der Lehre der Chakren.
Die Typenlehren des Persönlichkeits-Enneagramms werden auch von einigen Schülern Gurdjieffs strikt abgelehnt: Ein solches Herangehen gilt eher als weiteres Material für eine Überentwicklung des assoziativen Denkens, welches wirkliches Verstehen behindert. Zumal in der Lehre Gurdjieffs explizit zwischen dem Wesen (Wesenskern, Essenz) und der Persönlichkeit (sowie falscher Persönlichkeit) unterschieden wird. - Andere Autoren wie z.B. Klausbernd Vollmar beziehen sich zustimmend auf Gurdjieff.[1]. Claudio Naranjo bestätigt, dass das Erbe von Gurdjieff so viele Menschen zutiefst beeinflusst hatte, äußert sich jedoch enttäuscht von seiner Schule.


Strukturen und Grundannahmen der Lehre

Geometrisch ist ein Enneagramm ein Neuneck: ein gleichseitiges, gleichwinkliges, überschlagenes und ebenes Polygon. Das aus drei gleichseitigen Dreiecken bestehende Nonagramm symbolisiert im kabbalistischen Sephiroth den 9. Pfad (Jesod). Die daraus entwickelte irreguläre geometrische Form wurde von Georges I. Gurdjieff eingeführt. Sie wird heute meist zur esoterischen Persönlichkeitstypisierung verwandt. Gurdjieff selbst lehnte den Einsatz als Persönlichkeits-Enneagramm ab.
Das Gurdjieff-Enneagramm besteht aus einem gleichseitigen Dreieck (Verbindung der Punkte 3-6-9), sowie der Linienfolge 1-4-2-8-5-7-1. Diese Linienfolge weist einen mathematischen Bezug auf. Teilt man eine Zahl durch 7, enthalten die Nachkommastellen stets die periodische Ziffernfolge 142857 (zyklische Zahl der Generatorzahl 7). Die Innenwinkelsumme beträgt 500°.
Beim Einsatz als Persönlichkeits-Enneagramm kennzeichnet die Reihenfolge dieser Ziffernfolge bzw. der Linienführung auch die Richtungen, in die sich die Persönlichkeitstypen bewegen, falls sie unter Stress geraten. In der umgekehrten Reihenfolge benennt sie die Richtung, wenn sie sich entspannen.
Im Gegensatz zu den vier antiken Temperamenten „cholerisch“, „sanguinisch“, „melancholisch“ und „phlegmatisch“ wird das Persönlichkeits-Enneagramm dazu benutzt, die Menschen in neun als fest angenommene Persönlichkeitstypen einzuteilen. Mischtypen gibt es keine, doch kann ein Typ auch Eigenschaften eines seiner direkten Nachbarn aufweisen, z.B. könnte die 4 auch Eigenschaften der 3 oder der 5 haben, einen sogenannten Flügel. Jeder Typ differenziert zudem noch in drei Sub-Typen, den sozialen Untertyp, den sexuellen Untertyp oder den selbsterhaltenden Untertyp.
Nach der Persönlichkeits-Enneagrammtypologie verfügt jeder Mensch über drei Intelligenzzentren:
Kopf (Verstand, Ratio), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt). Intelligenz hat nicht nur mit dem Kopf zu tun, also sprechen die Sufis ähnlich wie Blaise Pascal (1623-1662) von der „Intelligenz des Herzens“. - Durch Daniel Goleman (*1946) bekannt geworden ist auch die Emotionale Intelligenz. Entsprechend gibt es auch eine „Bauchintelligenz“. Im täglichen Sprachgebrauch wird meist nicht zwischen Emotion und Instinkt unterschieden und beides als „Gefühl“ bezeichnet. Stattdessen wäre von „emotionalen Gefühlen“ und „instinktiven Gefühlen“ zu sprechen, um diese verschiedenen Gefühlsarten auseinanderzuhalten. „Intuition“ und „Instinkt“ werden ebenfalls oft gleichgesetzt und damit verwechselt. Intuition kann jedoch bei allen drei Intelligenzzentren auftreten; es gibt also eine verstandesmäßige, eine emotionale und eine instinktive Intuition.

* Kopf-Typen: 7, 6 und 5,
* Herz-Typen: 4, 3 und 2,
* Bauch-Typen: 1, 9 und 8.

Das bedeutet, dass beispielsweise eine Fünf die Welt in besonderem Maße auf der Verstandesebene wahrnimmt, eine Zwei auf der Gefühlsebene und eine Acht auf einer instinktiven Ebene. Die Zwei als Herz-Typ oder die Acht als Bauch-Typ sind deswegen jedoch keine schlechteren Denker, sie ziehen primär nur ein anderes Intelligenzzentrum zu Rate, um sich in der Welt zurechtzufinden. Für Kopf-Typen ist es normal, ständig viel und auch komplex zu denken, für Herz-Typen ist es normal, eher ihren Gefühlen zu vertrauen und diese letztlich auch entscheiden zu lassen, während die Bauch-Typen ständig ihre „Instinkt-Sensoren“ ausgefahren haben und sich lieber auf ihr Gespür verlassen.
Die Zuordnung zu einem der neun Persönlichkeits-Enneagramm-Typen kann sich als schwierig erweisen, da kein allgemein anerkannter Test existiert und die Zuweisung introspektiv und notwendigerweise subjektiv erfolgen muss. Fehleinschätzungen entstehen, wenn nur wenige Aspekte eines Menschen beachtet werden, statt das Gesamtbild inklusive seines Wesens zu betrachten.

Zum Gesamtbild gehören:
* das Wertesystem eines Menschen
* die daraus folgenden Ansichten und Einstellungen
* die dazu führen, dass er bestimmte Prioritäten setzt
* was zu bestimmten Verhaltensweisen
* einer bestimmten Kommunikationsform und Wortwahl („Keywords“)
* einer bestimmten Körpersprache, Körperhaltung sowie einem bestimmten Gang
* einem bestimmten Körperbau und einer bestimmten Gesichtsform führt.


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